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Fakten zum Thema Musik im Alter
Für Menschen über 65 Jahre, die Lust auf einen kostenlosen Probemonat haben. Es gibt viele gute Gründe im Alter ein Instrument zu erlernen

Senioren und Musik

Alter spielt keine Rolle beim Erlernen eines Instrumentes solange man körperlich und geistig fit genug ist.

Statistik: Deutschlandweit gab es 2017 9,9% Lernende an öffentlichen Musikschulen, die älter als 19 Jahre waren; 5,7 % waren ohne Altersangabe; in Schleswig-Holstein waren 2017 18,6 % älter als 19 Jahre und 4.3 % ohne Altersangabe.

Gibt es Forschungen zum Thema Musik im Alter?

Ja, er gibt verschiedene Studien:

  • Verghese-Studie (2003)
  • Bugos-Studie (2004)
  • Spahn-Studie (2011)
  • Empirische Untersuchung durch Eva-Maria Kehrer an der Universität Vechta (2013)

Ergebnisse:

  • Signifikante Verbesserung von Gedächtnisleistungen bei den über 60 jährigen
  • Konzentrationsfähigkeit wird verbessert
  • Koordination von Händen und Füssen z.B. beim Klavier wird gefördert
  • Aktives Musizieren hilft gegen Einsamkeit und Depression
  • Starke Reduktion des Demenzrisikos durch aktives Musizieren
  • Studie aus Vechta hat nachgewiesen, das selbst an Demenz erkrankte noch das Klavierspielen neu erlernen können
  • positive Auswirkung auf die Leistungsfähigkeit
  • das Einstellen auf immer  neue Situationen hält fit

 

Ergebnisse aus der Hirnforschung:

  • Lebenslanges Lernen ist möglich, das menschliche Gehirn kann bis zum Lebensende lernen
  • Musizieren schützt vor geistigem Abbau
  • Musizieren auf hohem Niveau gehört zu den schwierigsten menschlichen Leistungen
  • Gleichzeitige Beanspruchung von Gehörsinn, Motorik, Körperwahrnehmung und Hirnregionen, die Emotionen verarbeiten
  • Gehirne von musizierenden Amateuren sind im Schnitt fünf Jahre jünger als die Gehirne von Menschen, die keine Musik machen
  • Musizieren ist ein starker Reiz für die Neuroplastizität (Hirnvernetzung) des Gehirns, weil es so komplex ist
  • Im Bereich der Hirnregion Hippocampus – hat mit Stimmung zu tun- können neue Zellen gebildet werden

Motive älterer Menschen:

  • Häufig sind es aufgeschobene Träume oder Ziele
  • Das Zusammenspielen mit Gleichgesinnten
  • Erfüllen einer Sehnsucht
  • Verwirklichen von Dingen im Ruhestand, die bisher nicht verwirklicht werden konnten

Wie lernen Erwachsene bzw. was ist zu beachten?

  • Aufgrund nachlassender Sehschärfe wird ein größeres Notenbild gebraucht
  • das Gewicht eines Instrumentes kann eine Rolle spielen (z.B. Blockflöte oder Akkordeon)
  • nachlassende Feinmotorik kann ein vereinfachtes Arrangement z.B. eines Klavierstückes erfordern
  • pädagogische Qualität wichtig für den Lernfortschritt, da Erwachsene durch den stressigen Alltag eine verspannte Körperhaltung haben. Eine zeitnahe Korrektur durch einen anwesenden Lehrer ist aber wichtig, sonst führt sie zu Fehlhaltungen und höhere Schwierigkeitsgrade können u.U. nicht erreicht werden, es können sonst auch Fehler beim Atmen oder der Handhaltung entstehen.
  • Ältere Schüler bringen Lebenserfahrung und biografisch gewachsene Ansprüche mit, die berücksichtigt werden müssen
  • Beweglichkeit der Finger z.B. beim Geige lernen bei Erwachsenen und Kindern gleich schwierig
  • Ältere Menschen genieren sich schneller und sind evt empfindlicher
  • Lösungen müssen vielfältig und individuell sein -> mentale Kompensationsmöglichkeiten von älteren Menschen können Humor, Akzeptanz der Einschränkungen, Geduld und Gelassenheit sein; Kompensationsmöglichkeiten bei Einschränkungen in der Beweglichkeits- oder Konzentrationsfähigkeit können Lockerungsübungen, Atemgymnastik oder körperliche Bewegung sein.
  • Es gilt nicht das Sprichwort „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“, sondern „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans anders“

Musizieren hat sowohl eine psychische als auch eine physische Komponente: Gefühle können ausgedrückt werden und Aggressionen abgebaut werden. Folge: es dient dem seelischen Ausgleich, der Selbstverwirklichung und steigert die Lebensqualität. Erleben des Momentes steht im Vordergrund, Gestaltung des Hier und Jetzt ist wichtig.

Entwicklungsbedarf besteht im Bereich der interkulturellen Angebote. Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund werden gemeinsam Senioreneinrichtungen nutzen. Musik ist eine Möglichkeit, die Kultur des anderen kennenzulernen und miteinander in Kontakt zu kommen.

Musik wird heutzutage unterstützend zu Medikamenten z.B. bei Parkinson oder Multipler Sklerose eingesetzt.

An der FH Münster gibt es eine Weiterbildung im Fachbereich Sozialwesen zum Thema Musikgeragogik- Musik mit alten Menschen. Musikgeragogik ist eine Fachdisziplin im  Schnittfeld von Musikpädagogik und Geragogik, die sich mit musikalischer Bildung im Alter beschäftigt. Sie beschäftigt sich mit musikbezogenen Vermittlungs- und Aneignungsprozessen sowie musikalischer Bildung im Alter. Im Vordergrund stehen dabei biografische, intergenerative, kultursensible und validierende Ansätze.

Musik im Alter kann intergenerativ gestaltet werden.

An der VHS Neumünster keine musikalischen Angebote speziell für ältere Menschen. An der ADTV Tanzschule gibt es Kurse, z.B. Rollator- Tanz, Parkinson, Agilando

An der Musikschule Neumünster gibt es keine speziellen Angebote, aber sie haben ein Seniorenpercussionsensemble (93-63 Jahre). Im Generationenratgeber hat die Musikschule eine Annonce geschaltet mit dem Motto „Musik kennt kein Alter“.

 

( Recherche von Romi Wietzke und Micaela Sperber-Conrads )