Die heilende Kraft des gemeinsamen Singens

Wie eine Idee zum Chor wurde
Unser Chor „Jetzt oder Nie!“ wurde 2014 von Andrea Krull in enger Zusammenarbeit mit der Musikschule Neumünster gegründet.
Inspiriert wurde Andrea, die sich damals von einer schweren Krebsoperation erholte, durch die ARD-Sendung „Was ist Glück“, in der gezeigt wurde, dass Singen im Chor sich messbar positiv auf die mentale Gesundheit auswirkt.
Diese Erkenntnis berührte sie tief – und sie spürte, dass gemeinsames Singen nicht nur Freude schenkt, sondern auch Kraft geben kann, um mit Krankheit und Angst umzugehen.
Wenn Krankheit das Leben verändert
Eine Krebsdiagnose verändert das Leben - körperlich, emotional und sozial. Viele Betroffene kämpfen mit Angst, Traurigkeit und Einsamkeit. Müdigkeit, Depressionen und belastende Behandlungen verstärken das Gefühl der Isolation.
Die Diagnose beeinflusst auch die Familienmitglieder und Freunde.
Warum Singen so gut tut
Heute weiß man, dass Musik – vor allem gemeinsames Musizieren und insbesondere das Singen im Chor – sich positiv auf Körper und Seele auswirken kann.
Singen hilft, Stress abzubauen und das Immunsystem zu stärken. Wenn wir gemeinsam singen, steigt die Stimmung, und das allgemeine Wohlbefinden verbessert sich.
Das Singen fördert eine bessere Körperwahrnehmung, eine aufrechte Haltung und löst Verspannungen. Das Erlernen neuer Lieder trainiert Konzentration und Gedächtnis. Und nicht zu vergessen: Das Singen in der Gemeinschaft stärkt soziale Kontakte und das Gefühl der Zugehörigkeit.
Wissenschaftlich belegt: Singen als Quelle von Heilung und Kraft
Es überrascht daher nicht, dass Chorsingen auch für Krebspatientinnen und -patienten sowie deren Angehörige viele positive Effekte haben kann, wie folgende wissenschaftliche Studien belegen:
In einer Studie der University College London zeigte sich, dass bereits eine einzige Chorprobe die Stimmung deutlich verbessern, Stresshormone senken und Immunparameter aktivieren kann (Fancourt et al., ecancer 2016).
Eine dreimonatige Pilotstudie mit Krebsüberlebenden und Angehörigen ergab Verbesserungen in den Bereichen Vitalität, soziale Funktion und körperliche Schmerzen (Gale et al., ecancer 2012).
Langzeituntersuchungen berichten, dass regelmäßiges gemeinsames Singen Angst, Wut und Anspannung reduziert und gleichzeitig Wohlbefinden, Energie und soziale Verbundenheit stärkt (Bains et al., Supportive Care in Cancer 2024).
Qualitative Studien beschreiben zudem, dass Teilnehmende das Singen als unterstützende Gemeinschaftserfahrung erleben, die ihnen Raum zum Austausch und zur emotionalen Entlastung bietet (Warran et al., BMJ Open 2019).
Diese Ergebnisse zeigen, dass das gemeinsame Singen im Chor insbesondere für krebskranke Menschen und ihre Angehörigen auf vielfältige Weise zur Stärkung von Körper, Geist und sozialem Miteinander beitragen und eine Brücke zurück ins Leben sein kann.
Gemeinschaft, die trägt
Inzwischen gibt es in Europa viele Chöre für Krebskranke – allen voran in den Niederlanden, England, Wales und Schottland, einige auch in Deutschland.
Auch unser Chor ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen: Was 2014 mit nur einer Handvoll Sängerinnen und Sängern begann, ist heute zu einer starken Gemeinschaft von über siebzig Mitgliedern herangewachsen. Uns alle verbindet die Freude am Singen, der Mut, gemeinsam neue Wege zu gehen, und das Gefühl, in dieser Gemeinschaft Kraft und Zuversicht zu finden – ganz im Sinne unseres Namens: „Jetzt oder Nie!“
https://www.musikschule-neumuenster.de/ensembles/jetzt-oder-nie
https://www.youtube.com/watch?v=uVBHINtpvw0